Benefiz am Berg
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Applaus

Bandinterview - Waldkauz

Es ist uns eine große Freude auch mit Niklas von Waldkauz ein Interview führen zu können. Und das kommt genau zur rechten Zeit denn das Crowdfunding für die neue CD läuft noch eine gute Woche. Wer also die Band noch unterstützen will, nützt diesen Link: Startnext - Labyrinth by Waldkauz

Nun wollen wir den Waldkäuzen aber etwas „auf den Zahn fühlen“.
Waldkauz gibt es nun schon seit 2012, inzwischen hat sich die Band aber etwas verändert was Besetzung der Musiker und Anzahl betrifft. Bring uns doch bitte einmal auf den neuesten Stand. Leider ist Euch ja durch den Verlust von Gina die Harfe abhandengekommen, was ich persönlich besonders bedauere und ich möchte auch gar nicht verhehlen, dass ich Gina auch als Mensch in der Band sehr vermisse. Ist das Thema Harfe im Bandsound damit beendet oder seid ihr auf der Suche dieses Instrument wieder zu integrieren?
Nachdem wir 2019 mit zwei hervorragenden Gastmusikerinnen bestritten haben sind wir nun seit 2020 wieder komplett mit einer festen Besetzung unterwegs, diese besteht aus:

Diana – Vocals
Alana – Harfe, Drehleier, Geige, Gesang
Andi – Bass
Nina – Flöten, Dudelsack, Gesang
Peter – Schlagzeug, Perkussion
Niklas – Irish Bouzouki, Nyckelharpa, Gesang

Du siehst also, dass die Position an der Harfe wieder besetzt ist und wir freuen uns, sie wieder in neuen und alten Songs einsetzen zu können!

Ihr wart ja schon als gern gesehener Gast beim Festival-Mediaval dabei. Euere Musik kam da total gut an, was nicht ganz überraschend ist, da das Festival-Mediaval Publikum ja sehr viele Pagan-Folk Fans unter den Besuchern hat. Nicht wenige haben ja damals auch gesagt, es erinnert sie etwas an die früheren Omnia-Zeiten. Was macht für Euch den Reiz des Pagan-Folk aus und, nachdem Omnia ja leider inzwischen aus dem Musikbusiness ziemlich verschwunden sind, wie gefällt Euch die Vorstellung die Niederländische Kultband zu beerben.
Der Reiz des Pagan-Folk für uns ist vermutlich die Kombination aus den archaischen Klängen und Geschichten und den modernen Einflüssen die es im Genre gibt. Es gibt eine große Freiheit mit Sounds zu experimentieren, und ein aufmerksames und aufgeschlossenes Publikum, welches dies wertzuschätzen weiß! Wir fühlen uns deswegen in dem Genre sehr wohl! Der Vergleich mit Omnia ist natürlich naheliegend, so viele Referenzen gibt es in dem Genre ja nicht und natürlich ist die Band auch Teil der musikalischen DNA der Band. Aber ich glaube beerben wollen wir niemanden, wir finden es spannender einen eigenen Weg zu beschreiten!

Von Euch gibt es bisher zwei CDs, im Moment arbeitet Ihr am Vertrieb von Album Nummer drei „Labyrinth“. Das macht ihr im Rahmen eines Crowdfunding. Sicher auch um die ganzen Kosten im Vorfeld für die Aufnahmen und Herstellung stemmen zu können. Auch heute noch nicht der typische CD-Vertriebs und Entstehungsweg. Aber sicher der, wo man am meisten seine eigene Identität und Unabhängigkeit behält und einen keiner reinquatscht. Ist das der Grund und wie läuft es mit der Kampagne bisher.
Nun, die so erworbene Unabhängigkeit ist natürlich ein wichtiger Punkt, aber um ganz ehrlich zu sein war ein großer Punkt auch die finanzielle Lage der Band. Wir finanzieren Dinge wie Equipment und CD-Produktionen üblicherweise aus den Einnahmen, die wir durch Konzerte machen. Da das 2020 nicht ging, waren wir also auf Hilfe angewiesen, um bei dem neuen Album keine Kompromisse eingehen zu müssen, was die Qualität angeht.
Glücklicherweise läuft die Kampagne bisher sehr gut und wir sind sehr überwältigt von dem großen Interesse! Die Kampagne läuft jetzt noch knapp zwei Wochen, also schaut gerne nochmal vorbei ;)

Im Rahmen der Kampagne kann man auch ein Wohnzimmerkonzert mit Euch erwerben. Habt ihr das schon mal gemacht und wie waren Euere Erfahrung mit dieser sehr speziellen Konzertform.
Wir haben schon einige akustische Konzerte in privaterem Rahmen gegeben und es immer sehr genossen in einer gemütlichen Atmosphäre zu musizieren. Bei einem solchen Konzert können wir entspannter in filigrane Arrangements abtauchen - spielen gerne unsere Balladen, etwas traditionellere Folk-Stücke - und es bleibt auch mehr Raum für Anekdoten und Späße, die bei einem Konzert auf einem Festival vielleicht etwas die Stimmung stören würde.

Kommen wir mal zum Benefiz am Berg, auf was dürfen sich die Besucher denn bei Eueren Auftritt freuen.
Da wir aufgrund von Corona noch keine richtige Gelegenheit hatten unser neues Line-Up vorzustellen freuen wir uns natürlich besonders darauf, Diana und Alana auf der Bühne zu haben. Die Beiden sind für uns mittlerweile so vertraut mit ihren Stimmen und Instrumenten, aber die Waldkauz-Fans hatten noch keine Gelegenheit sie so lieben zu lernen wie wir! Außerdem wird es vielleicht schon 1-2 neue Songs zu hören geben ;)

Ich habe mich mal etwas auf Euerer Homepage umgeschaut und einen wirklich bemerkenswerten Satz von Dir gelesen. „Unpolitisch zu sein ist keine Option“. Oft ist es ja genau das, was viele Bands versuchen zu sein, obwohl die Musik aus der Vergangenheit schon immer Generations- und auch politisches Sprachrohr war. Man hat Angst anzuecken, sich etwas zu verbauen. Für Dich ist dieses Nichts sagen und Nicht anecken keine Option oder? Die Äußerung hat einen triftigen Hintergrund, kannst Du deshalb dazu vielleicht auch noch den einen oder anderen Satz darüber verlieren.
Nun, wir sind natürlich keine Band, die in jedem zweiten Song eine politische Aussage hat, aber es ist uns wichtig nicht den Eindruck zu erwecken, dass wir reine Eskapisten sind. Wir in der Band sind alle mehr oder minder politische Menschen (glücklicherweise auch mit einer sehr ähnlichen Einstellung) und wenn man eine Plattform hat, egal wie klein diese auch sein mag, ist es wichtig, gewisse Dinge nicht unkommentiert zu lassen. Gerade im Paganfolk tummeln sich ja mitunter auch verkappte Nazis und rechte Neu-Heiden, die die Geschichte deuten wie es ihnen passt. In einer solchen Lage 'unpolitisch' zu sein ist sehr verantwortungslos und vielleicht sogar gefährlich. Ich würde mir wünschen, dass es immer normaler und selbstverständlicher wird sich derart zu positionieren und der Platz für derart denkende Menschen immer kleiner wird. Wir sind moderne Menschen auch wenn wir uns oft mit Vergangenem beschäftigen. Und weder in unserer Vergangenheit, Gegenwart noch unserer Zukunft ist Platz für Sexismus, Rassismus, Homophobie oder Faschismus.

Es wäre in der Corona Zeit ja gerade zu vermessen ausgerechnet mit Euch über das Thema nicht zu reden. Deshalb als letzte Frage: Wie waren denn Euere Erfahrungen mit der frustrierenden Pandemie im letzten Jahr und wie beeinflusst es Euere musikalische Zukunft.
Nun, wie schon erwähnt hat es uns sehr im Schaffensprozess beeinflusst: Finanzielle Mittel für laufende Kosten fehlen, Studio-Termine wurden verschoben, ebenso Foto-Shootings und Video-Drehs. Dazu hat unser neues Line-Up noch keine Gelegenheit gehabt gemeinsam Konzerte zu spielen was ein unheimlich wichtiges und verbindendes Erlebnis ist. Generell haben wir uns natürlich kaum gesehen im letzten Jahr, was sehr ungewohnt ist, wenn man sonst sehr viel Zeit miteinander verbringt, beim Musik machen und auf langen Autofahrten.
Und natürlich spielt auch immer ein wenig die Angst mit, dass man vergessen wird. Wir haben weder die technischen, noch die finanziellen Mittel, um Streaming-Shows zu spielen und so fehlt natürlich die Interaktion mit dem Publikum!
Aber wir verzagen nicht und sind immer noch hungrig und motiviert und freuen uns auf vereinzelte Konzerte und unser neues Album!

Interview: Bernd Sonntag, RCN Nürnberg -Konzertreport