Benefiz am Berg
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Bandinterview - Totus Gaudeo

Egal wo Sie aufspielen, ihre Auftritte verbreiten stehts gute Laune. Deshalb sind sie auch bestens geeignet um trotz Pandemie beim Benefiz am Berg für strahlende Gesichter zu sorgen. Klar, dass wir in unserer kleinen Interviewreihe auch Totus Gaudeo etwas auf den Zahn fühlen wollten und haben uns deshalb mit Florian Ganslmeier von Totus Gaudeo unterhalten. Und dabei so ganz nebenbei erfahren, was einen Niederbayern auszeichnet, aber lest selbst.

Totus Gaudeo kann man mit „ich freu mich so“ übersetzen. Freut ihr Euch denn sehr auf das Benefiz am Berg, dass Euch endlich mal wieder auf die Bühne bringt und wie erging es Euch denn in den letzten 12 Monaten als Band?
Unser Name ist mehr denn je Programm ;)
Wir wussten zwar vorher schon was wir an Totus Gaudeo, an dem Haufen Verrückter und Gleichgesinnter haben, aber erst der Verzicht zeigt auf, wie abhängig man eigentlich ist. Und so war es wirklich sehr hart ein Jahr ohne Auftritte verbringen zu müssen.

Von Euch gibt es bisher 3 CDs, die letzte „Spieler“ ist aber schon 2014 erschienen. Wann gibt es denn was Neues auf unsere Ohren, ihr habt ja in letzter Zeit fleißig Songs geschrieben und aufgenommen und was erwartet uns denn mit der neuen Scheibe?
Wie du richtig schon aufzeigst, war es allerhöchste Zeit für eine neue CD. Die Aufnahmen waren eigentlich für den Winter 2020/2021 geplant. Nachdem es absehbar war, dass die Saison 2020 komplett ins Wasser fällt und die Auftrittsmöglichkeiten sehr überschaubar sein werden, haben wir uns dazu entschieden die Produktion vorzuziehen. Wir haben die freigewordene Zeit – sofern die Lockdowns und Reglementierungen es zugelassen haben – genutzt um am neuen Material zu schrauben und waren dann bereits ab September im Studio. Mittlerweile ist alles eingespielt und wir sind bei den Endmixes.
Die CD wird „der 4. Streich“ heißen und beinhaltet 100% Totus Gaudeo in einem weitem Spektrum von traditionell, mittelalterlich über rockig bis hin zum Reggae

Bisher wart ihr ja 3-mal beim Festival-Mediaval dabei und kennt die Gegend um Selb ja inzwischen schon etwas. Habt ihr denn auch schon einen Bezug zum „Berg“ in Wunsiedel und auf was können Sich die Besucher in Wunsiedel besonders bei Euerem Auftritt freuen.
Den Berg kennen wir leider noch nicht, aber wir freuen uns drauf ihn kennen zu lernen
Die Besucher können sich auf eine gute Mischung aus Altbewährtem und brandneuen Liedern freuen. Unser Auftritt wird mit Sicherheit einen guten Einblick in die neue CD geben und mit etwas Glück haben wir sie sogar mit im Gepäck...

Ihr habt ja soviel ich weiß als Walking Act bei Mittelalterfesten angefangen, eigentlich könntet Ihr das vermutlich ja auch heute noch problemlos. Habt ihr das völlig aus den Augen verloren oder kommt es immer wieder einmal vor, eine durchs Publikum „walkende“ Band zu erleben. Zum Beispiel ja auch mal beim Festival-Mediaval.
Da wir mittlerweile einen Bassisten und einen Schlagzeuger an Bord haben ist das mit „Walking“ etwas schwer zu realisieren. Zudem sind die neueren Nummern vielschichtiger arrangiert und drauf ausgelegt, dass sie verstärkt gespielt werden.
Wir können das schon noch, aber wenn wir an Umzügen teilnehmen (müssen ;)) oder abends durch die Lager ziehen, werden hauptsächlich alte Nummern aufgelegt, die eben noch dafür geschrieben wurden unplugged gespielt zu werden...

Ihr seid ja, wie unser Blaecky auch, Niederbayern. Das ist schon ein besonderer Menschenschlag oder? Euere Herzlichkeit fällt ja sofort auf, wenn da nur nicht der Niederbayrische Dialekt wäre (😊. Ist das der Grund, warum ihr eigentlich selten im Norden auftretet. Die Angst im Norden nicht verstanden zu werden?
Niederbayern haben vor nix und niemandem Angst, außer vor der eigenen Frau und dass das Bier ausgeht … ;)
Dialekt ist etwas Schönes und wir tragen ihn auch gern über die Bundeslandgrenze hinaus, das ist nicht der Grund.
Es liegt mehr an familiären und beruflichen Abhängigkeiten, die es uns bis jetzt nicht erlaubt haben z.B. nur für einen kleinen Clubgig nach Hamburg zu fahren. Aber Kinder werden auch größer und selbstständiger und wer weiß was die nächsten Jahre alles bringen.

Wie ist es denn so, wenn eine Frau es mit 5 Männern aushalten muss und wie hat sie es geschafft Euch Kerle alle so um den Finger zu wickeln, dass ihr macht was sie will. Oder täuscht der Eindruck?
Sie nimmt es mittlerweile sogar mit 6 Männern auf – wenn ich dich hier verbessern darf…
Sagen wir mal so: Ein Teil der Truppe ist mit ihr verwandt und der Rest schauspielert gut.
Bzw. da sie hauptsächlich fürs Booking verantwortlich ist hat sie Narrenfreiheit. Suchs dir aus ;)

Apropos Besetzung, da Totus Gaudeo ja weltweit noch nicht ganz so bekannt sind, wäre es einmal schön, wenn ihr uns die aktuelle Besetzung und vor allem auch die Instrumente, die Eueren, ich glaub ihr nennt es „Extra Vaganten Folk“ prägt, mal etwas näher vorstellt.
Wir sind in Sachen Besetzung relativ konstant, werden nur immer mehr.
Also es sind tatsächlich immer noch 4 der ehemals 5 Gründungsmitglieder dabei. Dazu kommen zwei Gastmusiker die wir irgendwie nicht mehr losgeworden sind und der Ersatz für das 5te Gründungsmitglied. D.h. wir sind derzeit 7 Musiker und das sind im Einzelnen:
Wernhard – Lead Gesang, Gitarre, Schalmei, Flöte
Don Pedro – Lead Gesang, Gitarre, Bouzouki
Ekatarina – Bratsche, Drehleier
Majestro TF – Dudelsäcke, Clarino, Tin Whistle, Ukulele, Krummhorn
Michel – Dudelsack, Akkordeon, Clarino, Flöte
Stephanovic – Bass
Van Benningen – Schlagzeug, Percussion, Background Gesang

Im Grund genommen spielen wir mittlerweile mit einer Rockband Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre)
Entscheidend für unseren Sound ist die Fülle an verschiedenen Melodie Instrumenten und der Tatsache, dass sich zwei Sänger im Lead Gesang abwechseln und gegenseitig ergänzen.

Wenn ich richtig informiert bin, habt ihr ja sogar einen Musikinstrumentenbauer in Eueren Reihen, der Euch bestimmt inzwischen alle angestellt hat, oder?
Sehr gut recherchiert!
Ja ich (Majestro TF) bin seit nunmehr über 10 Jahren selbstständiger Instrumentenbauer. (www.dudelsackdesign.de)
Das hat mitunter auch unseren Sound geprägt, weil wenn kein passendes Instrument da war, dann wurde halt eins gebaut (Segen und Fluch gleichermaßen...)
Diese Tatsache ist aber auch sehr beruhigend, weil immer genügend Ersatzteile und Werkzeug mit on Tour sind und komfortabel für den zweiten Dudelsackspieler, der dadurch seinen eigenen Roadie dabeihat, der im Notfall ein Ersatzrohrblatt baut oder das Instrument nachstimmt

Wir haben das Thema Corona ja schon etwas gestreift in unserem Interview, ich muss trotzdem auch bei Euch etwas nachhaken. Ihr lebt ja größtenteils nicht von der Musik oder? Trotzdem ist es ja auch ein Zubrot für alle. Habt ihr von staatlicher Seite für Euer „Berufsverbot“ da eine Unterstützung erfahren.
Wie zur Frage bzgl. den Ausflügen Richtung Norden bereits erwähnt, spielt die Musik für uns Alle zwar eine große Rolle, aber wir machen das nur aus Spaß – eben Totus Gaudeo.
Es ist ein sehr zeitintensives Hobby, aber es ist ein Hobby und ich wüsste nicht welche Hilfen hier greifen. Darüber hinaus befürchte ich, dass auch ein Großteil der Kollegen die davon leben müssen nicht berücksichtigt wurden...

Eine Frage zum Abschluss habe ich noch, ich will ja nicht mit so einem traurigen Thema das Interview mit so einer fröhlichen Band beenden. Deshalb dürft ihr einmal kurz träumen. Wir spielen „Wünsch dir was“ und wir drehen die Uhr auf das Jahr 2022. Da habt ihr ja schon eine ganze Reihe Termine gebucht und wir hoffen, dass dann wieder alles relativ normal läuft. Was habt ihr denn in Zukunft mit Totus Gaudeo geplant, mit wem würdet ihr einmal gerne auf der Bühne stehen und was wünscht Ihr Euch vom Jahr 2022.
Wir sind so ausgehungert, dass sich die Meisten von uns derzeit egal mit wem auf die Bühne stellen würden. Helene Fischer, Karl Moik, dir Bernd oder Bernd das Brot - egal - Hauptsache wieder spielen „dürfen“ …
Aber wenn schon Wunschkonzert ist, dann würde ich (um im Genre zu bleiben) gerne mal zusammen mit den Kollegen von Saltatio Mortis auf der Bühne stehen. Die bringen mittlerweile wirklich eine Interessante Mischung auf die Bühne, sind am Nabel der Zeit und schrecken auch vor aktuellen Themen nicht zurück – das gefällt mir gut.

Interview und Bilder: Bernd Sonntag, Konzertreport, RCN Nürnberg
Bilder vom Festival-Mediaval Auftritt 2018