Benefiz am Berg
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Bandinterview - Koenix

Warum man beim Benefiz am Berg sich unbedingt eine Schweizer Formation nicht entgehen lassen sollte, ob auch Ska-Beats zu einer guten Mittelaltermugge wunderbar passen und ob ein Metal-Schlagzeuger eine Band bereichert? Antworten darauf hat Jonas Schneider, Songschreiber und Sänger der Schweizer Mittelalterbandformation Koenix, der uns in unserem Interview bereitwillig über die „Grenze“ blicken ließ. Vielen Dank dafür. Freut Euch auf Koenix.

Gäste aus dem Ausland bei einem Festival sind ja immer eine Bereicherung. Allerdings ist das wegen dem ganzen Corona-Wahnsinn gerade ein zusätzliches Risiko für den Veranstalter. Umso mehr hoffen wir, dass Ihr zum Festival am Berg auch aus der Schweiz anreisen dürft. Wie ist denn bei Euch momentan die aktuelle Lage?
So wie die Lage aussieht, wird es eher an den Maßnahmen in Deutschland hängen, ob wir einreisen dürfen. Im Moment gehen die Zahlen auch in der Schweiz langsam runter, die Impfkampagnen gehen voran, aber es wäre Kaffeesatzlesen, zu behaupten, im Sommer werde all das immer noch so positiv aussehen. Wir hoffen einfach, möglichst bald wieder auftreten zu können, was praktisch ausschließlich von den politischen Beschränkungen der Publikumszahlen abhängt. Sobald eine Grenze erreicht wird, wo Veranstaltungen durchgeführt werden können, ohne ein Minus zu schreiben, sind wir bereit, an den Start zu gehen.

Wie habt ihr denn das letzte Corona Jahr „überlebt“. Hat Euch der Schweizer Staat finanziell etwas unterstützt, nachdem Ihr ja kaum Auftrittsmöglichkeiten hattet. Oder ist das dasselbe Elend mit der Kultur, wie in Deutschland?
Da wir neben Koenix alle noch in einem Teilzeitjob arbeiten, gelten wir nicht als existenzbedroht und kamen deshalb bis jetzt nicht zu Unterstützungszahlungen. Das macht es schwierig, solche Dinge wie ein neues Album zu finanzieren. Da sind wir daran, neue Wege einzuschlagen, wie z.B. Crowdfunding-Aktionen, denn natürlich brennen wir darauf, endlich wieder mit neuer Musik loszulegen. Doch es liegt uns fern, zu jammern. Jeder musste in dieser Pandemie einstecken und viele Kolleg*innen hat es sicher schlimmer erwischt. Durch unsere Brötchenjobs waren wir relativ gut dran.

Habt Ihr die Zeit genutzt und nach Euerem „Best of Album der ersten Dekade“ fleißig an Euerem ersten Album der zweiten Dekade gearbeitet? Es ist zwar noch nicht offiziell, aber ich kann es hier schon mal verraten: Wir haben zwölf neue Songs am Start und werden damit im Herbst ins Studio gehen. Das Album erscheint am 18. März 2022. Ich dürft euch wirklich freuen! Es wird eine coole Mischung: Tanzbar und mit einem weiten Spektrum an Instrumenten, wie gewohnt. Aber auch mit neuen Elementen, wie z.B. Ska-Beats, Arrangements, wie ihr sie sonst eher aus der EDM kennt, und beim Schlagzeug sicher auch der eine oder andere Einfluss aus dem Metal-Bereich, bedingt durch unseren neuen Drummer. Wie immer wird es abwechslungsreich. Wir freuen uns jedenfalls wahnsinnig darauf, bald wieder mit neuer Musik auf die Bretter zu stehen.

Eigentlich ist ja Koenix als Nebenprojekt von des Königs Halunken entstanden. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass Euer Nebenprojekt schon bekannter ist. Trotzdem seid Ihr in Deutschland noch nicht allen Mittelalterfans ein Begriff. Beschreibt doch mal den Besuchern für was Koenix steht und was man in Wunsiedel von Euch erwarten kann.
Koenix ist eine wilde Achterbahnfahrt ins Land der Sagen und Lagerfeuer, dorthin, wo Gestern und Morgen in Bedeutungslosigkeit versinken, wo nur der Tanz zählt. Wir spielen Musik zu der du abfliegen kannst … und träumen; mit Songtexten in allen möglichen Sprachen, immer wieder auch in unserem Schweizer Dialekt.
Angefangen hat Koenix mit „klassischer“ Marktmusik, aber das wurde uns schnell zu langweilig. Mittlerweile erinnert nicht mehr viel daran. In unseren Shows verbinden wir Elemente aus Folk, Ska, Trance und Rock zu einer einzigartigen Mischung, die es so nur bei Koenix gibt. Lasst euch überraschen – es wird garantiert nicht langweilig.

Die Schweiz ist ja nicht als Zentrum der Mittelaltermusik bekannt. Und ich denke auch in Euerem kleinen Land seid ihr musikalische Exoten, oder sehe ich das falsch? Wie ist es denn um die Mittelalterszene bestellt?
Exotisch ist ein guter Begriff. :-) Die Mittelalterszene hier ist überschaubar, aber es hat sich über die letzten zwanzig Jahre echt was getan. Mittlerweile gibt es viele Feste und Märkte. Wir wollten uns aber nie nur auf die Schweiz beschränken und sind deshalb oft auch in anderen europäischen Ländern anzutreffen. Unsere Musik ist zwar nicht Mainstream, aber wir haben festgestellt, dass sie in allen Altersgruppen ihre Fans gefunden hat – auch außerhalb der Mittelalterszene.

Wer Euere Shows schon mal gesehen hat, der weiß, dass sie auch optisch ein Highlight sind, mit einer überzeugenden Light- und Pyroshow. Wie wichtig ist Euch denn der optische Eindruck und wer ist denn der Pyromane Euerer Band?
Der visuelle Aspekt ist uns sehr wichtig! Wir mögen aufwändig produzierte Shows und treten gerne auch mit phantastischen Kostümen und Masken auf. Oder mit märchenhaft anmutenden Tänzerinnen. Beim Licht haben wir Glück: Unser Dudelsackspieler Hugi ist gleichzeitig auch ein super Lichttechniker und programmiert jeden einzelnen Takt im Voraus in tagelanger Kleinarbeit. Und für die Flammen haben wir meinen Bruder Manu am Start, der schon als Kind mit selbstgebasteltem Feuerwerk von sich reden machte. Mittlerweile ist er lizenzierter Bühnenfeuerwerker. :-D

Wenn ich richtig informiert bin, gab es in Euerem Quartett einen Musikerwechsel. Bringt uns doch mal auf den neuesten Stand.
Unser alter Drummer Tomi wollte sich nach zehn Jahren bei Koenix musikalisch neu orientieren und hat letztes Jahr seinen Abschied gegeben. Mit Philipp Eichenberger haben wir einen neuen Top-Mann gefunden, der vielleicht den Metal-Fans unter euch aus PX-Pain, Legenda Aurea oder Gods of Silence kennen.

Viele Bands haben ja versucht, wenigstens mit Streaming Konzerte oder einem Konzert in einem Autokino, vor vielen Blechkarossen, so etwas wie Live-Feeling zu vermitteln. Wie sind denn da Euere Erfahrungen?
Wir haben einige Live-Streams gespielt. Das Highlight war sicher die Übertragung an die Mittelalterwoche auf Gotland in Schweden von letztem August. Im Moment sind wir allerdings damit beschäftigt, unser neues Album zu schleifen.

Wie Corvus Corax seid auch ihr eine reine Männer-WG. Jetzt schreit man ja überall nach einer Frauenquote, wie sieht es denn mit der Quotenfrau bei Koenix aus?
Da ist im Moment nichts geplant. Wir fühlen uns zu viert sehr wohl. Es hat Vorteile, in einer kleineren Formation unterwegs zu sein. Aber sag niemals nie. ;-)

Als Abschluss unseres kleinen Interviews lasst uns einmal etwas in die Glaskugel gucken. Was sind Euere musikalischen Ziele in den nächsten Jahren und was wären Euere 3 größten Wünsche, die ich, wenn ich der Flaschengeist „Bezaubernde Jeannie“ wäre, Euch natürlich sofort erfüllen würde.
In naher Zukunft möchten wir mit dem neuen Album losziehen und hoffentlich eine Menge neuer Fans hinzugewinnen. Wir sind eine Live Band und als solche ist es unser größtes Vergnügen, epische Shows vom Stapel zu lassen und mit einer feierwütigen Masse Party zu machen.
Drei Wünsche … hmmm … wo ist der Haken? Den gibt es doch immer bei diesen Flaschengeistern, nicht? ;-) Spaß beiseite. Ich kann hier nur für mich antworten: Einmal in einem echten Amphitheater zu spielen, wäre ein Traum von mir. Toll wäre es, mit einer der großen Bands aus der Szene auf Tour gehen zu können, um uns einem breiteren Publikum zu präsentieren. Und ich würde sehr gerne mal eine Live Show produzieren, die den Namen Alpine Stone Age Techno verdient: Epische Naturklänge aus den Schweizer Bergen, vermischt mit tanzbaren Beats, einem phantastischen Bühnendesign, wo Figuren aus der Sagenwelt zum Leben erwachen und mit euch allen zusammen durch die Nacht rauschen. Ich weiß nicht, ob das zu viel verlangt ist, lieber Flaschengeist, aber falls nicht … wir sind bereit!

Interview Bernd Sonntag, RCN Music und Konzertreport
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