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Bandinterview - Faun

Nachdem in den letzten Interviews immer nur Männer zu Wort kamen, war es uns wichtig auch einmal wieder eine Musikerin zu Wort kommen zu lassen. Und da bietet sich Faun ja geradezu an, was wären die Faune in all den Jahren ohne ihre grandiosen weiblichen Stimmen. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Und so erfahrt ihr etwas mehr von Laura Fella, die neue Platte, die neue Mitmusikerin, die Fiona ersetzen wird und warum Indisch bei Faun besonders angesagt ist. Aber lest selbst.

Liebe Laura, vielen Dank für Deine spontane Bereitschaft uns einige Fragen zu beantworten. Als Mama hast Du ja im Moment eh alle Hände voll zu tun. Wie wohl fühlst Du dich denn in Deiner neuen Rolle als Vollzeitmama, wie kriegst Du das mit Deiner Musikkarriere unter einen Hut und wie hast Du als junge Mama das letzte Corona Jahr erlebt?
Sehr gerne - ich bedanke mich! Meine Tochter ist ja inzwischen schon ein großes Baby - knapp 13 Monate - und dementsprechend fühle ich mich mittlerweile sehr angekommen mit meiner neuen und zusätzlichen Seite als Mama. Ich habe wirklich gelernt, dass einen nichts, aber auch wirklich nichts, auf das Dasein als Eltern eines kleinen Menschenbabys vorbereiten kann - man wird einfach ins kalte Wasser geworfen und muss sehr schnell lernen zu schwimmen. Eine wundervoll lehrreiche Zeit! Corona war in dieser ersten Phase, als frisch gebackene Mama, einerseits wertvoll, da es uns viel Zeit zu Hause beschert hat - andererseits waren wir eben „nur“ das - viel zu Hause. Ich freue mich schon sehr, meiner Kleinen die Welt ein wenig mehr zu zeigen und nicht mehr ständig Furcht haben zu müssen, sie könne sich anstecken. Außerdem ist mein Mann ja auch Musiker, somit hat es uns schlichtweg natürlich auch finanziell doppelt getroffen.

Du bist ja nicht nur eine der 2 weiblichen Stimmen der Band Faun, sondern seit 2019 auch noch Teil der Band TVINNA, zusammen mit Fieke van der Hurk und Fiona Rüggeberg, mit der Du ja auch lange mit Faun gemeinsam auf der Bühne standest. Ich hoffe ja sehr Euch endlich auch mal live erleben zu können, am liebsten beim Festival Mediaval natürlich. Vielleicht kannst Du uns über das Projekt etwas mehr erzählen?
Sehr gerne! TVINNA ist ein Herzens-Projekt, welches zunächst aus dem Wunsch entsprungen ist, ausschließlich weiblichen Gesang und feminine Stärke in den Fokus zu stellen. Mit der Zeit und aus reiner Eigendynamik hat sich da eine sehr eigene Message entwickelt. Unser Songwriting ist auch sehr organisch - wir folgen wirklich nur unserem Gefühl und unseren Herzen - was sich gut anfühlt, das wird gemacht. Uns ist auch sehr wichtig, dass unsere Musik gibt - wir leben in herausfordernden Zeiten, vor allem emotional, und Musik kann so viel bewirken. Mit ByNorse haben wir außerdem ein tolles Label, welches uns voll unterstützt, an uns glaubt und uns jeglichen künstlerischen Freiraum lässt. Es macht wirklich unfassbar Spaß und stolz!

Du bist ja Schweizerin, wohnst aber inzwischen in München. Ist Dir die Schweiz zu klein geworden, oder wolltest Du den Mitgliedern von Faun näher sein?
Oh, nicht ganz - ich bin mit einem Schweizer verheiratet und wir haben über 3 Jahre gemeinsam in der Schweiz gelebt, aber geboren bin ich München. Die Schweiz ist wirklich ein wunderschönes Land aber es wurde uns tatsächlich zu klein und als sich auch noch mein Engagement bei FAUN rauskristallisiert hat, war das tatsächlich ausschlaggebend, zurück zu meiner Familie und Freunden nach München zu gehen - eben, weil FAUN ja auch seine Base in München haben. Das hat sich wirklich perfekt gefügt. Mein Einstieg bei den FAUNen war erst für Frühsommer geplant, denn wir waren noch nicht mal ganz mit dem Umzug fertig, als der Anruf von Oli kam, ob ich spontan auf die Midgard Tour aufspringen wolle - und der Rest ist Geschichte.

Ich habe Dich das erste Mal live bei Eluveitie erlebt, wo Du als Gastsängerin kurzfristig tätig warst. Dann bist du spontan bei Faun eingestiegen, ohne eigentlich einen Song der Band zu kennen. Bist Du wirklich so ein spontaner Mensch, oder war das die große Ausnahme?
Als ich mit Eluveitie auf Tour war, war mein Einstieg bei FAUN bereits beschlossene Sache, aber noch nicht bekannt gegeben. Außerdem kannte ich FAUN bereits aus meiner Vergangenheit - ich war (und bin immer noch) ein großer Fan des Albums „Licht“ zu Releasezeiten! Ich muss trotzdem ehrlich sagen: ich bin ein spontaner Mensch und versuche immer mehr, auch auf mein Bauchgefühl zu hören. Und das ist ja eigentlich oft spontan und weiß schnell, was Sache ist. Wenn mir etwas gefällt, mache ich es. Und wenn sich etwas falsch anfühlt, dann vertraue ich hier meinem Gefühl. Das Leben will gelebt werden.

Viel Gemeinsamkeiten zwischen Faun und Eluveitie gibt es musikalisch ja nicht, da aber auch die Musik von Tvinna im Folk zu Hause ist, denke ich Du fühlst Dich im Folk inzwischen schon sehr wohl. Aber eigentlich sind ja die härteren und rockigeren Klänge Dein musikalischeres Zuhause in der Jugend gewesen. Wo und wie lebst Du denn Deine Metal/Rockleidenschaft aus und was hörst Du privat am liebsten?
Oh, ich muss gestehen, dass ich deine Meinung nicht teile, dass TVINNA im Folk zu Hause ist - zumindest nicht nur. Wir verbinden zwar Einflüsse aus dem Folk mit vielen anderen, modernen und progressiven Klängen, aber mit Rafi an Gitarre & Bass und Jasper an den Drums haben wir viele härtere Songs und Einflüsse - ich kann mich in dieser Hinsicht bei TVINNA voll ausleben. Aber unabhängig davon arbeite ich mit Rafi auch an einer reinen Alternative/Rock Platte - seit Jahren… haha, irgendwann wird sie sicher fertig!!

Wie lange bist Du jetzt schon Veganerin? Vor einigen Jahren hat man da ja immer wieder mit dummen Bemerkungen leben müssen. Hast sich das inzwischen positiv verändert oder muss man sich wegen den verrückten Avocadoadolf inzwischen noch viel öfters blöde Bemerkungen anhören?
Ich glaube, es sind mittlerweile schon 6 Jahre, seit denen ich rein vegan lebe. Es hat sich so unfassbar viel verändert - Veganismus ist in der Gesellschaft angekommen und fast jeder weiß, was das ist! Es gibt nicht „nur“ Naturtofu aus dem Bioladen - sondern so eine breite Palette an verschiedensten Produkten wirklich überall und das erleichtert natürlich vielen den Einstieg - was mich sehr freut. Ich höre viel, viel weniger dumme Bemerkungen, als früher. Das hat sich so positiv verändert! Ich hatte damals „Angst“, es meinen besten Freunden zu erzählen, da ich nicht wusste, wie sie darauf reagieren würden… heute unvorstellbar! Daran ändert auch ein Atila Hildmann nichts - es war ohnehin sehr irritierend, dass bei seinem Geschwurbel die Art seiner Ernährung so eine große Rolle spielen musste. Mein Umfeld hat das auch so gesehen.

Du bist ja auch in den sozialen Medien aktiv und es gibt von Dir ja wirklich unglaublich schöne Fotos abseits der Bühnen. Warst Du oder bist Du als Model tätig und hat der Playboy schon angefragt?
Vielen Dank! Ich war nie als Model tätig, ich finde es auch tatsächlich nach wie vor komisch, vor der Kamera zu stehen. Es gibt nur ganz wenige Fotograf:innen, die es geschafft haben, dass ich mich vor der Kamera wohl fühle und mich frei bewegen kann. Ergo war ich nie als Model tätig, und werde es auch wohl nie sein! Playboy wäre quasi das größte No-Go für mich - aus diversen Gründen.

Lass uns wieder auf Faun zurückkommen. Bei Euch hat sich ja einiges getan. Fiona hat die Band leider verlassen, dafür gibt es eine neue weibliche Stimme mit Adaya Bairacli, die auch noch ein unglaubliches Musikinstrumente Repertoire mitbringt und ja ebenfalls Schweizerin ist. Habt ihr Euch eigentlich schon vor Faun gekannt, lernt ihr zwei den Jungs Euerer Band nun Schweizerdeutsch und wie oft gibt es ein Bandraclette? Wobei Käse ja bei Dir auch nicht auf den Tisch kommt.
Adaya und ich kannten uns tatsächlich noch nicht vor ihrem Einstieg bei FAUN - allerdings waren sie und Oli schon längere Zeit bekannt! Ergo lernt gerade niemand von den anderen FAUNen schweizerdeutsch, aber wenn mein Mann bei unseren Konzerten dabei ist, kann man diesen wundervollen Dialekt jetzt doch öfters im Backstage hören! Und sollte es ein kollektives Bandessen geben, glaube ich wählen wir alle am liebsten indisch! Der Großteil von uns ist Vegetarisch bzw. Vegan unterwegs und abgesehen davon, wie unfassbar lecker Indisches Essen ist, ist es auch eine Wohltat für die Seele (und es ist für jeden was dabei) …

Lass uns zum Abschluss noch ein klein wenig in die Zukunft blicken. Ihr habt mit Faun ja einen neuen Song auf Bandcamp veröffentlicht mit dem Titel Tamlin, den man für 4 Euro herunterladen kann und Euch damit in der so schwierigen Zeit etwas unterstützen kann. Wie sieht es denn mit einem neuen Album aus, ihr seid ja schon schwer am Arbeiten daran. Darfst Du uns dazu schon etwas verraten?
Ich darf noch nicht viel darüber verraten, außer dass wir mit Feuereifer daran arbeiten und unsere Musik wieder ein wenig archaischer wird - vor allem, was die Inhalte der Songs angeht. Ich freue mich schon, wenn wir endlich mehr verraten dürfen, aber aktuell stecken wir einfach noch zu tief im Songwriting und in der Produktion, sowie auch schon in der Planung und es ist eine wundervoll, magische Zeit, deren Zauber sich hoffentlich bald zeigen wird!

Interview Bernd Sonntag, RCN Music und Konzertreport
Bilder vom Auftritt beim Festival-Mediaval 2018