Benefiz am Berg
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Bandinterview - Des Teufels Lockvögel

Langsam kann man den Wecker stellen, dann geht es los mit dem Benefiz am Berg. Und zum Abschluss gibt es nun das Interview mit 2 ganz bekannten Gesichtern in Wunsiedel. Netterweise haben sich auch Mika und Marcus von des Teufel Lockvögel die Zeit genommen, unsere Neugier zu befriedigen.

Hi Mika, Wenn ich mich nicht täusche hast Du ja längere Zeit zwangsläufig als Mutter eines Sohnes deinen Musikerjob gegen den Lehrerjob eingetauscht. Wie fühlt man sich denn so als Lehrerin ohne die entsprechende Bezahlung?
Mika: Den schulischen Fortschritt meines Sohnes durch mein Zutun zu beobachten ist mir Bezahlung genug.

Für alle werdenden Mamas eine Frage, wo wir schon beim Thema Kind sind. Du bist Mama, was man Dir in keiner Weise ansieht. Du hattest aber auch gleich nach der Schwangerschaft schon wieder so eine tolle Figur. Wie schafft man das? Machst Du viel Sport und gibt es einen guten Tipp? Oder hält Musik machen einfach besonders schlank? Oder das Leben mit Markus?
Mika: Es gibt kein Zaubermittel für eine tolle Figur nach der Schwangerschaft zumal jeder Körper einzigartig ist. Auf eine Veränderung muss sich allerdings ein jeder einstellen; und ob diese dann innerlich oder äußerlich passiert, wird sich zeigen.
Die Realität zu meiner schlanken Gestalt sieht leider nicht so aus, dass ich viel Sport mache, noch mich gesund ernähre. Stress ist ein großer Faktor. Dazu kommt, dass mein Körper von sich aus viel Testosteron und Androgene ausschüttet und das den Stoffwechsel ungemein ankurbelt.
Mein Tipp an alle die sich unwohl in ihrer Haut fühlen ist, sich mit dem eigenen Körper gut auseinander zu setzen und nicht gegen ihn, sondern mit ihm das zu erreichen was euch zufrieden stimmt.

Des Teufels Lockvögel gibt es ja nun schon seit 1999, zu einer Zeit, als Du noch gar nicht ans Musikmachen gedacht hast. Wie kam es denn dazu, dass Du den weiblichen Part in der Band übernommen hast?
Mika: Das Verlangen Musik zu machen reicht sehr weit zurück. Ich würde behaupten 1994, das Jahr der Gründung von Van Langen, liegt da näher. Da gab es diesen Moment in meinem jungen Leben, als ich auf dem Rücksitz unseres Autos saß, Musik von Enya am Walkman gehört habe und mitsang. Mein Vater hat sich damals zu mir umgedreht und mich ausgeschimpft, dass ich niemals Sängerin werden könnte. Aber es muss genau dieser erschreckende Moment gewesen sein, dass der Geist der Musik von mir Besitz ergriffen hat und sich wie eine schützende Decke um mich legte. Ich spürte einfach, dass das mein Ding wird! Danach ging es schrittweise mit diversen Instrumenten weiter und einer Schulband aus der leider nichts wurde.
2011 las mich Marcus van Langen bei den Kaltenberger Ritterspielen auf. Ich muss zu dem Zeitpunkt wie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln gewirkt haben den er mit seiner Musik, mit seiner Cister aufmunterte. Ich kannte nicht einmal das Lied das er spielte, sang aber unterbewusst eine alte Melodie mit und ab da hielten wir regen Kontakt. Es war mein erstes Mal auf einem Mittelalterfest, ich hatte davor nie etwas damit zu tun. Vielleicht hat er diesen Geist der Musik in mir gesehen der der Schlüssel zu einer metaphorischen Tür war, die mir das alles erst richtig eröffnete. Durch die ich dann zur Sängerin für Des Teufels Lockvögel wurde.

Es ist ja kein Geheimnis, dass Marcus und Du nicht nur musikalisch ein gut funktionierendes Team seid. Trotzdem stell ich mir das extrem schwer vor, weil man neben dem privaten Bereich einen weiteren Reizpunkt hat um (nennen wir es mal freundlich) zu diskutieren. Wie kommt ihr denn mit der Situation klar?
Marcus: Natürlich gibt es Reibereien, aber, ich denke nicht mehr, als bei „normalen“ Leuten und wir haben ja zum Glück die Möglichkeit, auch diese Dinge in der Musik zu verarbeiten. Im schlimmsten Fall ist es eine „Paartherapie auf der Bühne“ ;-) Die größte Herausforderung ist natürlich die familiäre Organisation und Logistik um alles unter ein Kopftuch zu bringen.
Mika: Dazu habe ich nichts zu Ergänzen.

Du bist ja auch durch Deine grünen Haare sehr auffällig, auf der Bühne der absolute Hingucker. Aber da stehst Du die wenigste Zeit Deines Lebens. Wie sind denn Deine Erfahrungen so im privaten Leben, gerade als „Landei“ hat man es als Paradiesvogel ja nicht so leicht, oder?
Meine Stielwurzeln liegen im Bereich Visual Kei und Gothic. Daher bin ich es schon immer gewohnt aufzufallen und habe absolut kein Problem damit. Das bin nun mal ich und jeder darf sich dazu eingeladen fühlen, sich von mir inspirieren zu lassen!

Dann wollen wir mal den lieben Marcus noch mehr mit einbinden, nicht dass er sauer wird. Erst mal eine Frage an Euch beide „Mittelaltermusiker“. Was hört ihr denn noch so bzw. gibt es eine musikalische Vorliebe von der wir unbedingt wissen sollten?
Marcus: Nene, das passt schon ;-) Dass meine musikalischen Wurzeln im Blues liegen ist ja spätestens seit meinen Büchern bekannt und die Mittelaltermusik ist für mich der Deutsche Blues – habe ja lange danach gesucht ;-) und gefunden!
Mika: Hmm.. Glam Rock, Metal, J-Rock und die 80’ haben es mir angetan! Ich lasse mich allerdings für sehr viele Genres begeistern. Da ist auch Techno oder Rap dabei. Man kann mit mir also gut an den diversesten Musikprojekten arbeiten! As well in english!

Des Teufels Lockvögel ist ja eigentlich als Nebenprojekt zu Van Langen entstanden. Inzwischen ist es aber sicher Dein bekanntestes „Produkt“. Es gibt aber viel mehr, was Du so treibst. Vielleicht kannst Du Deine Fans und alle Besucher des Benefiz am Berg, denen Dein Name nichts sagt, mal auf den aktuellen Stand bringen. Was gibt es Neues im Hause von Langen?
Marcus: Oh jessas! Also ich werde lieber nicht meine komplette Vita runterbeten, sonst sitzen wir Morgen noch hier ;-) Aktuell ist noch die Arbeit an unserem Vampirfilm unvollendet; eine Arbeit, die Pandemiebedingt leider viel zu lange auf Eis gelegen hat und der Film hätte bereits 2020 erscheinen sollen, aber wie gesagt da hat uns die „Krone“ einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Auf dem gleichen Eis liegt eine weitere CD Produktion, diesmal mit Klavier eingespielt und wieder einmal etwas völlig außergewöhnliches und neues! Dazu kommt die Arbeit an der neuen VAN LANGEN 2.0 Band und es haben sich in den letzten zehn Jahren viele Lieder angesammelt, die ausgearbeitet und hinausgeschrien werden wollen.

Du bist ja auch in Wunsiedel bestens bekannt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe ist es Euer vierter Auftritt auf dem Gelände. Was war denn das bisher schönste Erlebnis und wie gut kennst Du eigentlich die Gegend. Du bist ja auch eigentlich jedes Jahr in Selb beim Festival-Mediaval zu Gast.
Marcus: Auf dem Festival Mediaval waren wir quasi schon dabei, als es noch eine fixe Idee von Bläcky (Anm.: der Veranstalter) war. Bläcky war damals noch Steinehändler „Urgestein“ und wir kennen uns sehr lange. Irgendwann hat er gesagt, dass er ein Festival organisieren will und ob wir bereit wären dort zu spielen. Ich weiß noch, dass ich gesagt habe – egal wann -nur nicht im Juli - und egal wo Du das machst, wir sind dabei! Und seit dem ersten Festival Mediaval bin ich auch immer dabei. Mal mit dem Soloprogramm, mit DTL, mit VAN LANGEN oder meiner Mongolenband SCHAGAI und auch für die Zukunft wird mir immer wieder etwas Neues einfallen. Auf dem Collis Clamat in Wunsiedel sind wir mit DTL auch seit vielen Jahren, obwohl es bei dem ersten Engagement hieß, dass jede Band nur einmal gebucht wird. Keine Ahnung, aber als wir den ersten Auftritt auf der Bühne vor der Kirchenruine hatten war für uns klar – die werden uns nicht mehr los. Und prompt kam vom Veranstalter – ich denke, wir werden euch nicht mehr los, kommt ihr nächstes Jahr wieder? Auch, wenn das alles größere Veranstaltungen sind, so gibt es doch einen sehr familiären „inner circle“ und genau diese vertraute, familiäre Atmosphäre macht es aus und treibt mich an. Einmal habe ich unseren Trommler gesucht, der nicht aufzutreiben war und gefunden habe ich ihn in der Küche. Er hat Zwiebeln geschnitten, weil es gerade einen personellen Engpass gab!
Das ist es, was unser Leben ausmacht. Ich könnte – und werde vermutlich – ein Buch über all diese Impressionen schreiben.

Wie kommt man denn eigentlich auf die Idee eine eigene Minikirche bzw. Kapelle zu bauen, noch dazu, weil die Kirche gerade und nicht nur im Mittelalter, eine sehr fragwürdige Rolle spielte und bist Du inzwischen fertig?
Marcus: Wie bei allen Dingen – am Anfang war die Idee! Ich liebe Ruinen, ich liebe den Verfall und ich liebe es, einen Punkt zu finden, an dem man den zarten Versuch einer Konservierung unternimmt. Die Ziegel, die ich aus ganz Deutschland zusammengetragen habe sind alle mindestens hundert Jahre alt. Das Kreuzfenster habe ich selbst gemacht und das Gotische Fenster ist mir quasi zugeflogen. Ursprünglich sollte ein Grill installiert werden, aber dann wäre es ein genehmigungspflichtiges Bauwerk – die man natürlich nicht bekommt – und so ist es ein Kunstwerk ohne Funktion. Kunst darf halt einfach nicht funktionieren ;-) Ich freue mich jedes Mal, wenn ich im Garten von Touristen angesprochen werde und die meisten sind verwundert, dass diese „Ruine“ in keiner Karte verzeichnet ist. Die Antwort ist – wie in meinem ganzen Leben: Ich bin ja noch nicht fertig!!!

Du hast ja inzwischen auch einen Vampirfilm gedreht mit dem Titel „Dr. Van Langen jagt Graf Dracula“ Warum und wieso ist der Film ab 18. Und wo gibt es den zu sehen?
Marcus: Der Film ist abgedreht – im wahrsten Sinne des Wortes – und fertig geschnitten. Es gibt noch viel Feinarbeit und mit der Filmmusik bin ich auch noch nicht fertig. Wie schon erwähnt hat es uns durch die behördlichen Maßnahmen ziemlich zerlegt. Ich sage nur so viel: Die Filmfirma am 19. Februar 2019 ins Handelsregister eingetragen! Tja, war auch ein doofer Zeitpunkt, also keinerlei Hilfen Unterstützung etc. Natürlich wird der Film fertig und wir haben neue Hürden zu nehmen. Derzeit wäre er ab 18, weil wir noch keine Freigabe von der FSK haben. Eigentlich alles ganz harmlos, aber er hat nun einmal alles, was ein guter Film braucht ;-)

Zum Abschluss müssen wir natürlich auch mit Dir Marcus das Thema Corona noch etwas vertiefen. Mir ist es auch deshalb wirklich wichtig, weil ich immer noch der Meinung bin, gerade die, die jetzt mal ein paar Wochen intensiveren Lockdown hatten und sich aufregen gar nicht einschätzen können, was das für Euch Musiker bedeutet. Vielleicht gibst Du uns da einen kleinen Einblick in Dein Seelenleben.
Marcus: Puh, wir haben jetzt ja doch 16 Monate mit dieser Pandemie zu kämpfen und natürlich versuchen wir auch positiv nach vorne zu blicken.
Wir arbeiten zielorientiert und das macht alles natürlich viel schwieriger, weil die Ziele- wenn vorhanden – doch ziemlich verwaschen, trübe und unsicher sind. Ich bin mir sicher, dass Leute die in Richtung „Animal Farm“ arbeiten die besseren Karten gezogen haben! Im Augenblick sieht es wohl ganz gut aus, dass es irgendwann wieder in Richtung der Normalität geht, die wir kannten, aber wir sind alle trotzdem skeptisch. Der erste Lockdown und das nahezu komplett ausgefallene Jahr 2020 haben uns erstmal richtig fertig gemacht. Es geht ja nicht nur um die Arbeit, es geht auch um Geld, das man einfach braucht – und das nicht nur für Bürogebäude und Personal! Klar hat es uns ziemlich übel zu einem noch übleren Zeitpunkt erwischt, aber nach dem ersten Schock war klar, dass es für uns gut ist, etwas Zeit zur Besinnung zu haben. - Wir sind ja davon ausgegangen, dass 2021 alles wieder wie gewohnt läuft. Wie im berühmten Film mit Roberto Benigni „Das Leben ist schön“ - natürlich hinkt der Vergleich und ich möchte mich dafür entschuldigen, aber das kam mir eben in den Sinn – Wir hatten endlich Zeit für andere Dinge, die wir immer vor uns hergeschoben haben. Im Freundeskreis hat sich die Spreu vom Weizen getrennt und ich wir haben festgestellt, dass auch unser Schulsystem noch kaputter ist, als ich dachte. Es war – und ist – an der Zeit, wieder Eigenverantwortung zu übernehmen, dafür gibt es keine der beliebten Versicherungen, die uns aus der Verantwortung nehmen, es gilt zu hinterfragen und viele Dinge nicht mehr so ernst zu sehen. Natürlich kann ich einem Zehntklässler bei schulischen Problemen helfen, aber sorry – ich kann keinem Erstklässler den Übergang zum Dezimalsystem erklären oder ihm die Umlaute vermitteln. Besonders bei schulischen Dingen habe ich gemerkt, dass wir als Eltern verdammt alleine dastehen und wenn ich nicht am Donnerstag zum Zeugnis der Schüler mein Grundschullehrer Diplom bekomme werde ich echt sauer! ;-) Wenn man der ganzen Pandemiegeschichte etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es die Erkenntnis, dass auch alle anderen nur mit Wasser kochen und wenn man etwas erreichen will, dann ist man auf sich selbst gestellt!

Vielen Dank Euch beiden, ich freu mich schon sehr Euch zum Benefiz am Berg dann wieder zu sehen.
Interview und Bilder: Bernd Sonntag, RCN Nürnberg und Konzertreport